Operation: Autokauf

Wenn ihr euch einen Gebrauchtwagen zulegt, solltet ihr weder dem Verkäufer noch dem Pickerl vertrauen. Sonst ergeht es euch wie mir – und ihr fahrt so richtig ein.

Straßenbahn, Bus und Zug: All diese Verkehrsmittel sind mir lieber als das Auto. Warum? Sie nehmen mir die Arbeit ab. Und bei den hohen Versicherungsprämien und horrenden Spritpreisen, die man derzeit zahlt, spart man sogar noch was, wenn man die Öffis nimmt. In den größeren Städten sind die öffentlichen Verkehrsmittel zudem sehr gut ausgebaut, weshalb man sich auch nicht über schlechte Mobilität beklagen kann. Für die Peripherie gilt das allerdings nicht. Dort ist die verkehrstechnische Infrastruktur so schlecht, dass man ohne Auto nicht weit kommt.

Ich wohne derzeit nur knapp drei Kilometer von einem Ort mit Eisenbahnanbindung entfernt. Doch dorthin gelangt man nur zwischen Sonnenauf- und -untergang – wenn man die Jahreszeit Herbst als Gradmesser nimmt. Busse zwischen 19 und 5 Uhr? Vergiss es! Wochenendtransport? Fehlanzeige! Und selbst, wenn man es irgendwie schafft, in den Nachbarort oder die nächste Stadt zu gelangen: Um ein Verkehrsmittel zu erwischen, das einen zurück nach Hause bringt, muss man nicht selten ein bis drei Stunden warten. Da überlegt man schon mal, ob es sich nicht lohnt, den Hintern aufs Fahrrad zu schwingen und sich dem Ärger der Autofahrer auszusetzen.

Dann suchen wir mal…

Um diesem unbefriedigenden Zustand endlich zu entgehen, habe ich beschlossen, mir ein Auto zuzulegen. Meine Anforderungen waren bescheiden. Nichts Großartiges sollte es sein, sondern klein, sparsam und günstig. Preisklasse: weniger als 4.000 Euro.  Leistung: gering. Modell: alles, außer einem Twingo. Farbe: alles, außer gelb und rosa. Zustand: fahrbereit. Baujahr: ab 1996. Mit diesen Orientierungspfeilern im Hinterkopf machte ich mich auf die Suche. Zunächst arbeitete ich mich mal durch das Verkaufsportal willhaben.at, weil man dort recht viele Gebrauchtwagen mitsamt Preis, Bildern und Beschreibung findet. Drei Tage lang checkte ich, was der Markt so zu bieten hat. Über 70.000 Anzeigen, über 70.000 potenzielle Autos für mich. Kein einziges davon passte. Zu alt, zu teuer, zu stark, zu hässlich, zu verdächtig, zu feminin, zu rosa, ein Twingo, zu weit weg. Man glaubt gar nicht, welch hohe Ansprüche man doch hat, wenn man eigentlich gar keine hat.

Die Ernüchterung war groß, doch mein Wille noch keineswegs gebrochen. Ein Auto musste her, und wenn mir das Internet schon nicht helfen konnte, dann musste ich es eben auf die alte Tour finden: durch die Gegend fahren und schauen. Genau das tat ich auch. Zusammen mit meinem Stiefdad unternahm ich einen halbstündigen Ausflug in den Westen der schönen Steiermark. Bei jedem noch so schäbigen Wrack, das neben der Straße geparkt und mit einem „zu verkaufen“-Schild versehen war, blieben wir stehen. Schauen kostet ja nichts. Von all jenen, die den Eindruck machten, als würden sie nicht gleich auseinanderfallen, notierte ich mir die Nummer des derzeitigen Besitzers. Fragen kostet ja nichts.

Die Qual der Wahl

Dieser Mazda ist es geworden

Am Ende hatten es drei Autos in meine engere Auswahl geschafft. Ein verbeulter Renault ohne neues Pickerl, ein gelbes Peugeot-Cabrio und eine Mazda-Familienkutsche, die aufgrund ihres Kilometerstands regelrecht „töte mich“ schrie. Doch sie alle hatten etwas an sich, das mich ansprach: Sie waren spottbillig! Nur eines der genannten Vehikel zog ich ernsthaft in Erwägung. Es wurde der … Mazda, richtig! Er war alles, was ich eigentlich nicht wollte. Er war zu groß (Kombi), zu stark (114 PS), zu teuer (Benziner) und zu verdächtig (knapp 200.000 km). Diesen Ausschlussfaktoren standen ein neues Service, ein neues Pickerl, der große Stauraum und eine für das Alter (BJ 1999) erstaunlich gute Optik gegenüber. Ausschlaggebend für mein großes Interesse am Mazda war letztendlich der Preis: 1.700 Euro. Ein Schnäppchen – aber ein vergiftetes, wie sich später herausstellen sollte.

Es kam zu einer ersten Kontaktaufnahme und anschließender Besichtigung des Wagens. Der Verkäufer war ein netter, älterer Herr aus der Umgebung. Er war allerdings nicht der Besitzer des Autos, sondern half nur seinem Schwiegersohn, die Kiste loszuwerden. Und ach, was war der Mann begeistert von dem Auto. „Schauen Sie ihn sich an, fahren Sie ihn Probe, lassen Sie ihn von einer Werkstatt anschauen! Das Auto ist in Top-Zustand!“ Der alte Mazda wurde angepriesen, wie Adelstöchter anno dazumal dem König als Braut angepriesen wurden. Nun, ich muss sagen, die Karre machte echt einen guten Eindruck. Kein erkennbarer Schaden am Motor, ein gepflegter Innenraum, Klimaanlage, Zentralverriegelung und sogar ein CD-Radio. Elektrische Fensterheber, kein Rost an den Türen, kein Lackschaden und achtfach bereift. „Wenn jemand so ein gutes Auto so günstig abgibt, muss eine Leiche drinnen sein“, dachte ich mir. Das mit der Leiche stimmte, nur war leider das Auto selbst eine.

Häufig täuscht der erste Eindruck

Von einem hübschen Innenraum kann man sich leicht blenden lassen.

Der Kaufvertrag war schnell unterschrieben, tags drauf waren die Versicherungsformalitäten erledigt. Sonntag inspiziert, Montag on the road. Die erste Ausfahrt mit dem neuen Auto war ein Genuss. Leiser Motor, gute Beschleunigung – die ganze Fahrt lang musste ich zufrieden grinsen. Tags darauf kehrte sich meine Euphorie jedoch ins Gegenteil um. Bei einer Einkaufsfahrt nach Voitsberg leuchtete plötzlich die Batterie-Warnleuchte auf – und ging leider nicht mehr aus. „Wird schon nichts sein“, redete ich mir ein und stellte das Auto trotzdem in die Werkstatt, in der mein Nachbar als Mechaniker arbeitet. Der würde sich das Anschauen und mir Entwarnung geben. Und ja, er schaute es sich an – doch von Entwarnung keine Spur. „Die Lichtmaschine ist hinüber“, stellte er fest. Kostenpunkt: 320 Euro. Freundschaftspreis, wohl gemerkt. „Tja, was soll’s, ist halt ein Verschleißteil“, dachte ich mir und stimmte der Reparatur zu. Am nächsten Tag wäre die Kiste wieder flott und bereit für weitere Ausflüge.

Tags darauf bekam ich einen Anruf: „Du, dein Auto ist eine Schrottkiste“, sagte mir mein Nachbar offen. „Die Bremsleitungen sind rostig, die hinteren Bremsen irgendwie zusammengepfuscht. Dieses Auto hätte niemals das Pickerl bekommen dürfen.“ „Aha“, sagte ich. „Verdammte Scheiße nochmal!“, dachte ich. „Was soll ich jetzt tun?“, fragte ich wie ein kleiner Junge, dem man das erste Mal eine Angel in die Hand drückt. „Nix. Ich ruf den Mechaniker an und sag ihm das. Da das Pickerl neu ist, hat er seine Pflichten verletzt. Er muss es auf eigene Kosten reparieren – oder du kannst ihn verklagen.“ „Aha“, sagte ich. „Jaaaaaa, wie geil!“, dachte ich.

Um eine lange Geschichte abzukürzen: Der säumige Mechaniker erklärte sich bereit, die entdeckten Mängel auf eigene Kosten zu beheben. Und die Chefin der Werkstatt, die die Mängel an meinem Mazda entdeckt hatte, riet mir, bei Gebrauchtwagen künftig immer einen Ankaufstest zu machen. Der ist vom Verkäufer zu zahlen und bringt zudem Gewissheit, ob ein Auto wohl verkehrstauglich ist. Heute bekam ich mein Auto wieder, ließ es noch einmal von meinem Nachbarn checken und bekam von ihm die Bestätigung, dass mein Auto nun „safe“ ist. Der Wagen fährt wieder. Fragt sich nur wie lange.

Euer

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