Operation: Jobsuche

Odysseus, kennst? Ihm habe ich seit August nachgeeifert. Mit dem Unterschied, dass ich mich statt mit Monstern mit potenziellen Arbeitgebern rumgeschlagen habe. Die Suche nach einem Job dauerte zwar keine zehn Jahre, war aber genauso mühsam. Am Ende bin ich nicht daheim in Ithaka, sondern „dahoam“ in München gelandet.

Ich weiß: Schande über mein Haupt, dass ich die griechische Mythologie für mein Gejammere missbrauche. Aber glaubt mir: Meine dreimonatige Odysee durch den österreichischen Arbeitsmarkt hätte es beinahe geschafft, mir jede Hoffnung auf Broterwerb zu nehmen und Ärger und Verzweiflung epischen Ausmaßes in mir auszulösen. Ganz ehrlich: Hätte ich nicht bald einen Job gefunden, hätte mich die Enttäuschung darüber geradewegs in die weit geöffneten Arme des staatlichen Bildungswesens zurückgetrieben. Um ein Haar wäre ich wieder zum Studenten geworden und hätte mich damit bereitwillig jenem Schicksal ergeben, dem ich nach drei Jahren an der FH zu entrinnen suchte.

Gut Ding braucht Weile

Doch zum Glück hatte Gott (oder die Götter, ich bin da tolerant) ein Einsehen mit mir. Er hat entschieden, dass es für mich an der Zeit ist, zwölf mal pro Jahr Lohnsteuer zu zahlen. Jeder fängt schließlich klein an. Eben diese höhere Macht hat auch entschieden, dass meine Fiskal-Abgaben (noch) nicht demjenigen zugute kommen sollen, der 16 Jahre lang meine Ausbildung bezahlt hat: dem Staate Österreich. Wie ich im letzten Vierteljahr nämlich schmerzlich erfahren musste, scheinen die Unternehmen hierzulande wenig mit meiner zukunftsorientierten Ausbildung, Kreativität und Tatkraft anfangen zu können. Hervorragende Praktikumszeugnisse und ausgezeichnete Schul- und Studienabschlüsse reichen offenbar nicht aus, um zu beweisen, dass man für eine Stelle bestens geeignet ist.

Job: Ohne Arbeitserfahrung hat man keine Chance.

Durch die fehlende Bereitschaft der Unternehmen, mir den Eintritt ins Berufsleben zu ermöglichen, kommt der österreichischen Wirtschaft wieder eine bestens qualifizierte Arbeitskraft abhanden. Sei’s drum, man muss das Positive daran sehen: Durch meine Abwanderung verbessert sich die Arbeitslosenstatistik mit Sicherheit um ein Hundertstelpromill. Und das ist ja auch nicht schlecht.

Erfolgsquote: 10 Prozent

Doch nun ist es an der Zeit, meinen Misserfolg an der heimischen Arbeitsfront in Zahlen zu gießen, um meine Frustration mit Fakten zu untermauern. Nach drei Monaten der Suche steht sie fest, meine Erfolgsquote am Arbeitsmarkt. Sie beträgt – Trommelwirbel bitte – 10 Prozent und ein paar Zerquetschte. Basis: 13 verschickte Bewerbungen. Die 13 ist offensichtlich meine Glückszahl, denn sie brachte mir den lang ersehnten Job. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, künftig an jedem Freitag den 13. mit mir selbst den Beginn meiner Erwerbstätigkeit zu feiern.

Doch nun zurück zu den Fakten. Sieht man sich meine Statistik an, stellt man fest: Nüchtern betrachtet gar nicht mal so schlecht für einen Bachelor of Arts der Fachrichtung „Journalismus und PR“ ohne Arbeitserfahrung. Aber auch – gesamt gesehen – gar nicht mal so gut. Eine Zusage und eine Einladung zum Probearbeiten stehen zehn Absagen und einer ausstehenden Antwort gegenüber. Und die Zusage kam – na, ratet, ratet – richtig: aus Deutschland! Diese Tatsache ist der Grund dafür, dass ich mit meinen Fähigkeiten künftig in unserem nördlichen Nachbarland zur Wertschöpfung beitrage. Dort weiß man qualifiziertes Personal offenbar besser zu schätzen und dieses auch mit entsprechenden Angeboten und Perspektiven zu locken. Darum: Leckt mich, Leute, ich geh‘ nach München!

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